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Sauna nur für Damen

Diskriminierend oder völlig legitim?

In zahlreichen öffentlichen Saunen, Thermen und Wellnessoasen gibt es Tage, Zeiten oder Bereiche, welche nur für Damen reserviert sind. Eine reine Herrensauna oder Herrenzeiten bieten hingegen nur wenige Bäder an. Die Herren müssen mit der gemischten Sauna Vorlieb nehmen. In Zeiten der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mag sich daher durchaus die Frage stellen, ob dieser Umstand als Diskriminierung zu betrachten ist. Das Merkel'sche Bad in Esslingen musste sich bereits gerichtlich mit dieser Thematik auseinandersetzen, da ein 72-jähriger Besucher sich aufgrund der fehlenden Herrensauna benachteiligt fühlte.

Die Nachfrage regelt das Angebot

Die einfachste Lösung wäre selbstverständlich, grundsätzlich nur gemischte Saunen anzubieten. In einigen Thermen und Bädern wird dies der Einfachheit halber auch so gehandhabt. Allerdings ist es als eine Tatsache anzusehen, dass viele Frauen sich in gemischten Saunen unbehaglich fühlen oder sich sogar vor sexuellen Übergriffen fürchten - sei es durch Blicke, verbal oder körperlich. Manche Frauen wollen sich auch aus Glaubensgründen nicht entblößt vor fremden Männern zeigen. Die Nachfrage nach reinen Damensaunen ist - aus diversen Gründen - zweifelsfrei vorhanden. Die Betreiber von Bädern und Thermen reagieren auf den Wunsch ihrer Gäste, indem sie entsprechende Vorkehrungen treffen.

Aber wie sieht es mit der Nachfrage nach Herrensaunazeiten aus? Um diese Frage zu beantworten, kommen wir noch einmal auf den einleitend erwähnten Klagefall zurück. Die Stadtwerke Esslingen (kurz SWE) wiesen das Anliegen des 72-jährigen Klägers mit einem Verweis auf die nicht vorhandene Wirtschaftlichkeit einer Herrensauna zurück. Es fehle an einem wettbewerblichen Anlass und Anreiz, um eine Herrensauna zur Verfügung zu stellen. Einfach ausgedrückt: Ein Großteil der Herren habe hieran überhaupt gar kein Interesse. Als Beweis wurde ein Versuch aus dem Jahr 2005 angeführt, in dem es dreieinhalb Monate probeweise eine Herrensauna im Merkel'schen Bad in Esslingen gegeben hat. Laut Betreiber betrug die Auslastung nur 36 Prozent, während die Damensauna mit 64 Prozent fast doppelt so hoch frequentiert war. In anderen Schwimmbädern, Wellnesstempeln und auch in Sportklubs zeigt sich oftmals ein ähnliches Bild.

Schutz statt Diskriminierung, solange ein legitimer Zweck erfüllt wird

Auch wenn die Nachfrage nach separaten Saunazeiten bei den Herren geringer ausfällt als bei den Damen, gibt es dennoch Männer, die sich in einer gemischten Sauna ebenso unwohl fühlen wie viele Frauen. Kann man diese einfach übergehen, nur weil es sich um eine Minderheit handelt? Sicherlich werden Sie uns zustimmen, dass dieses Thema überaus komplex und sensibel ist. Dass bei fehlender Herrensauna eine Ungleichbehandlung vorliegt, steht auch laut den Stadtwerken Esslingen vollkommen außer Frage. Allerdings sei diese laut SWE gerechtfertigt, da Frauen generell gefährdeter sind, was Übergriffe anbetrifft. Ihre Intimsphäre bedürfe daher eines gezielteren Schutzes, der durch eine Damensauna gewährleistet werden kann. Laut einer Aussage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2012 können Schutzbedürfnisse auch einseitig umgesetzt werden, ohne dass dies mit einem Verstoß gegen die Grundrechte der anderen Partei einhergeht.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick in das Gleichbehandlungsgesetz (GIBG). Paragraf 32 des Gleichbehandlungsgesetzes besagt, dass Dienstleistungen und Güter durchaus nur einem Geschlecht angeboten werden dürfen, sofern es sich um eine positive Maßnahme handelt (§ 34 GlBG), oder wenn das Angebot ein legitimes Ziel (z. B. Schutz vor Gewalt, Schutz vor Übergriffen) verfolgt (§ 33 GlBG). Unter geschlechtergetrennten Angeboten zum Schutz der Intimsphäre werden neben Toilettenanlagen und Umkleiden explizit Saunen genannt. Der Betreiber einer Wellnessanlage, der eine reine Damensauna anbietet, macht sich demnach nicht der Diskriminierung des männlichen Geschlechts schuldig.

Kritische Aspekte der Damensaunen

Wie zuvor festgestellt, handelt es sich bei nach Geschlechtern getrennten Saunen um legitime Angebote, dich nicht gegen das Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Dennoch werden immer wieder kritische Stimmen laut, die auf weitere ungerechte Aspekte aufmerksam machen wollen. In der Saunalandschaft St. Veit in Österreich ist beispielsweise seit 40 Jahren jeden Mittwoch den Frauen das Schwitzen vorbehalten. Männer dürfen an diesem Wochentag die Sauna nicht betreten. Das Problematische: Beide Geschlechter zahlen denselben Betrag für die Saisonkarte, obwohl die Herren die Sauna nur sechsmal pro Woche nutzen dürfen. Aufs Jahr gerechnet handelt es sich um 50 umsonst bezahlte Saunabesuche. Michaela Slamanig, die Frauen- und Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, beurteilt diese Handhabung als deutliche Benachteiligung für die Herren. Jedes Jahr aufs Neue kommt daher die Diskussion auf, ob es an der Zeit wäre, den Frauentag abzuschaffen. Bisher wurde dies jedoch noch nicht umgesetzt. Laut Bürgermeister Mock sei die Nachfrage nach dem Frauentag nach wie vor vorhanden, außerdem habe sich bisher kaum ein Mann beschwert. Dennoch sei die finanzielle Benachteiligung nicht von der Hand zu weisen. Kurze Zeit später wurde eine für beide Geschlechter annehmbare Lösung gefunden: durch eine Anpassung der Saisonkarten, welche von nun an von Donnerstag bis Dienstag gelten. Frauen, die am Mittwoch den aufgrund der ungebrochenen Nachfrage weiterhin stattfindenden Frauentag nutzen möchten, können hierfür Tageseintritt lösen. Es zeigt sich also: Damensaunen sind sehr gefragt, die Grenze zur Benachteiligung der Herren ist und bleibt jedoch ein schmaler Grat. Mit einem durchdachten Konzept lässt sich Diskriminierung aber vermeiden.

Fazit: Mit einem gerechten und gut durchdachten Konzept sind Damensaunen legitim

Aufgrund der großen Nachfrage ist es unwahrscheinlich, dass Damensaunen in naher Zukunft komplett abgeschafft werden. Es liegt jedoch im Ermessen eines jeden Thermen- bzw. Schwimmbadbetreibers, bei entsprechender Nachfrage auch Herrentage einzuführen. Verpflichtend ist Letzteres allerdings nicht. Schwierig wird es dann, wenn aufgrund der Damentage eine finanzielle Benachteiligung entsteht. Hier gilt es, gerechte Lösungswege zu finden. Optional bietet es sich an, sowohl eine Damensauna als auch eine gemischte Sauna ganztätig zur Verfügung zu stellen, sofern die Kapazität vorhanden ist. Herren, die sich eigene Saunazeiten wünschen, haben hierauf keinen rechtlichen Anspruch. Sollten Sie betroffen sein, kann es sich aber lohnen, dass Sie sich in Ihrer bevorzugten Therme bzw. im Schwimmbad einmal umhören: Vielleicht gibt es noch andere Herren, die ihren Wunsch nach einer reinen Herrensauna teilen? In diesem Fall können Sie Unterschriften sammeln und Ihr Anliegen fundiert vortragen. Ist die Nachfrage groß genug, besteht durchaus die Chance, dass Ihrem Wunsch vonseiten des Betreibers entsprochen wird.

Quellen:

www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.sauna-in-esslingen-sauna-liebhaber-fuehlt-sich-diskriminiert.4abbb83b-2af9-492c-9648-f90948258008.html
kaernten.orf.at/v2/news/stories/2797896/

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Zuletzt überarbeitet:  1. Oktober 2021