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Ayurveda, indische Gesundheitslehre

Ayurveda ist mehr als Massage und diverse Öl-Güsse, Ayurveda ist ein indisches medizinisches Gesamtsystem.

Ayurveda, das Wissen vom Leben ist eine alte indische Heilkunst. In Europa und den USA wird das Verständnis der indischen Gesundheitslehre weitgehend auf Massagen und Öl-Güsse reduziert. Ayurveda ist bei uns eher als Wellness-Methode geläufig, denn als in sich geschlossenes, jahrtausendealtes medizinisches System, wie es in Indien gesehen wird. Die Ausbildung zum Anwender von ayurvedischen Methoden erfolgt hierzulande in wenigen Wochenend-Seminaren, die von jedem absolviert werden können. Die Bereiche Massage, Ernährungslehre und Yoga, welche bei uns verbreitet ist, bildet jedoch nur einen kleinen Teil des Konzeptes Ayurveda.

Es werden alte Mythen und Legenden über die Entstehung der Kunst des Ayurveda erzählt. Etwa, wie die Götter erkannten, dass Dämonen den Menschen die Kraft zur Selbstheilung nahmen, gaben die Götter den Menschen das Wissen um Ayurveda.

Jedoch in Wahrheit hat Ayurveda den Ursprung vor über 300 Jahren in Indien gefunden. Schon damals gab es Ärzte, die den menschlichen Körper sehr gut kannten. Da aber auch etwas Magie und Zauber zum Ayurveda gehört, bleibt diese Lehre für uns eher geheimnisvoll denn wissenschaftlich erklärbar.

Beim Ayurveda wird bei der Behandlung nichts dem Zufall überlassen. Alles ist genau festgelegt, wie die Griffe der Massage, die Temperatur des Öls, usw. Das System wurde im Laufe der Zeit immer weiter verfeinert und verbessert.

 

Legenden und Wissenschaft zu Ayurveda

Die „Weisheit vom Leben“, so die Übersetzung des Sanskrit-Wortes wurde, Legenden zu folge von den Schöpfergottheiten selbst den Menschen übergeben. Über den Ablauf gibt es viele regionale Legenden. Eine besagt, dass die Schöpfergötter die Menschen segneten mit der Fähigkeit zur Entwicklung. Diese Fähigkeit eröffnete auch die Möglichkeit, zu erkranken, also Fehl-Entwicklung zu erleben. Doch da in den Menschen auch das Streben nach Vollkommenheit angelegt war, schien die Idee der Krankheit, die Leid verursacht und nicht heilt, ausgeschlossen. Die Dämonen, welche die Schöpfung zu zerstören gedachten, nachdem sie von der Erde vertrieben waren, täuschten die Menschen und vernebelten ihr Wissen, um die Fähigkeit zur  Wiederherstellung der Vollkommenheit, sollte diese gestört sein. Als das Klagen der ersten Kranken an die Ohren der Götter drang, waren diese sehr bestürzt. So schufen sie ein Wesen, welches sie mit dem Wissen um das Leben, dessen Aufbau und Struktur, sowie  um die Wahrung und Wiederherstellung der Harmonie der Lebenskräfte ausstatteten. Dhanvantari, so der Name des Wesens, war der Begründer von Ayurveda und lehrte die Menschen diese Kunst. Als er in den Himmel zurück kehrte, beauftragte er seine Schüler, zu heilen, zu forschen und zu trösten.

In dieser mythischen Geschichte steckt eines der Grundprinzipien der indischen Philosophie und von Ayurveda: Alles, was ist trägt die Möglichkeit der Vollkommenheit in sich. Alles Streben und Erleben ist auf Erlangung der Vollkommenheit ausgerichtet. Entwicklung und Vollkommenheit sind nur möglich, wenn Einklang und Harmonie aller beteiligten Kräfte hergestellt werden. Im traditionellen ayurvedischen Verständnis ist der Arzt also nicht nur Diagnostiker und Behandler, sondern auch Berater in allen Lebenslagen, sowie Forscher über Gesundheit und Krankheit. Es mag verwundern, dass zur ayurvedischen Diagnose etwa auch das Erstellen eines Horoskopes gehört. Doch im Hinblick auf die Grundlage, nämlich Harmonie mit sich und dem Kosmos als Grundlage für die Gesundheit, ist es durchaus einleuchtend, dass der Therapeut auch die Beziehung zwischen Patienten und Gestirnen untersucht.

Ayurveda trachtet also danach, den Menschen zu verstehen und ihm zu helfen, er selbst zu sein, seine Vollkommenheit zu verwirklichen. Die wohltuenden Anwendungen sind Methoden, dieses Ziel zu erreichen.

Ursprung und Geschichte von Ayurveda

Dieses Gesundheitssystem, dessen Name übersetzt „Lehre vom Leben“ heißt, ist eines der Bekanntesten der Welt. Seinen Ursprung hat es in der altindischen Hochkultur und die ältesten erhaltenen Schriften sind etwa dreitausend Jahre alt, doch gibt es Hinweise, dass diese Gesundheitslehre wesentlich älter ist und schon in megalithischer Zeit in Indien praktiziert wurde. Ayurveda ist benannt nach der philosophischen Schrift, in der das Wissen um die Gesundheit des ganzen Menschen niedergelegt wurde. Als Teil der Veden, also der Weisheiten des Hinduismus, hat diese Schrift auch große spirituelle Bedeutung.

Der Ursprung von Ayurveda als ganzheitliche Medizin ist in Sri Lanka zu finden. Dort wurde im fünften Jahrhundert vor Christus das erste Spital gegründet. Die ayurvedischen Ärzte aus dieser Zeit verfügten bereits über umfassende Kenntnisse über die menschliche Anatomie, Physiologie und Psychologie. Erfahrungen wurden sorgfältig aufgezeichnet und ständig weiter entwickelt. Aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert ist ein Edikt von König Ashoka überliefert, in dem der Bau von ayurvedischen Spitälern für Menschen und Tiere angeordnet wird. Weiterhin ordnet König Ashoka in diesem Edikt an, dass die ayurvedischen Heilkräuter angebaut oder importiert werden werden müssen, so dass sie den Spitälern in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

Entwicklung und Wandel

Im Laufe der wechselvollen Geschichte Indiens wurde das Land mehrfach erobert. So nahmen fremde Mächte immer wieder Einfluss auf die Entwicklung von Ayurveda. Der wohl intensivste Eingriff erfolgte durch die englischen Kolonialherren die versuchten, die traditionelle indische Medizin zu verbieten. Der Grund dafür ist vermutlich in der Tatsache zu suchen, dass zu den ayurvedischen Methoden auch Magie und Zaubersprüche gehören, sowie Dämonenglaube und Opferrituale. Den christlichen Eroberern dürfte diese Ansicht sicher fremd und erschreckend vorgekommen sein, zudem in ihrem Verständnis derartiges Wissen wenn überhaupt dem Klerus vorbehalten war. Da es in der Kolonialgeschichte nicht nur um politische Unterwerfung sondern auch Christianisierung ging, war es naheliegend, eine der praktischen Umsetzungen der indischen Glaubenslehre zu verbieten. Da die Staatsstruktur Indiens aus vielen kleinen, souveränen Königreichen bestand, konnte ein flächendeckendes Verbot von Ayurveda jedoch nicht durchgesetzt werden.

Auch heute noch lassen sich geschätzte zwei Drittel der indischen Bevölkerung in traditioneller Weise medizinisch versorgen. Dieses ganzheitliche System aus Naturheilkunde, Psychologie, Physiologie und Aberglaube ist nach wie vor als medizinische Methode in Indien voll anerkannt.  Das ayurvedische Medizinstudium dauert in Indien sechs Jahre, nach Abschluss ist der Arzt mit seinem westlich-medizinischen Kollegen gleich gestellt, jedoch muss er in seinem Titel auf die Ausübung der traditionellen Heilkunst ausdrücklich hinweisen.

Doshas im Ayurveda

Doshas können beschrieben werden als Qualitäten von Prana, also der Lebenskraft. Da Prana fließend ist, kann es in verschiedene Richtungen, in verschiedener Geschwindigkeit und Dichte, sowie in unterschiedlicher Menge fließen. Ebenso kann es aktivierende und beruhigende Eigenschaften haben. Menge, Flusseigenschaften und Qualität bestimmen also das Dosha. Im Ayurveda gibt es drei davon. In jedem Menschen, so die Grundannahme, sind alle drei vorhanden. Das Temperament und die Gesundheit des Menschen werde vom vorherrschenden Dosha bestimmt. So lange diese Vorherrschaft durch die beiden anderen Doshas ausgeglichen wird, ist der Mensch gesund. Kommt eines der Doshas zum Stillstand, entsteht Krankheit.

Einfluss und Wirkung

Im Ayurveda wird grundsätzlich alles, was auf den Menschen einwirkt, den Doshas zugeordnet. Dies sind:

Vata:  Bewegung und Kommunikation. Der Vata-Typ ist nervös und sensibel, kreativ, hat ein schlechtes Gedächtnis, setzt sich unter Druck und meidet Konfrontationen. Qualitäten dieses Doshas sind zum Beispiel schnell, beweglich, kalt, rauh, fein, trocken, transparent. Funktionen sind etwa die Atmung, Lebensfreude, Ausscheidungsvorgänge, Kreislauf und Entwicklung des Gewebes. Vata sitzt im unteren Bauchbereich und den Ausscheidungsorganen.

Pitta:  Energie, die etwa durch die Stoffwechselvorgänge im Körper bereit gestellt wird. Der Pitta-Typ ist intelligent und genau, jedoch schnell gereizt. Qualitäten sind, heiß, scharf, sauer, flüssig. Funktionen sind die Regulation des Hungergefühls, Wärmeregulation, Stoffwechsel, Ausstrahlung, Intelligenz, Sehen und Fröhlichkeit. Pitta sitzt im Blut, Lymphe und Schweiß, sowie im unteren Teil des Magens und im Dünndarm

Kapha: Stabilität und Ausdauer. Der Kapha-Typ ist langsam, verfügt über ein hervorragendes Langzeitgedächtnis und ist schwer aus der Fassung zu bringen. Qualitäten von Kapha sind etwa fest schwer, kühl, zähflüssig, langsam, weich und süß. Seine Funktionen sind Ausdauer, Formgebung, Stabilität, Geduld, Vitalität, Energiereserven und Leistungsfähigkeit. Das Dosha sitzt im Kopf, in der Brust und im Nacken.

Alle Doshas sind im ganzen Körper tätig, doch im Ayurveda wird davon ausgegangen, dass jedes in einer bestimmten Körperregion vorherrscht. Grundsätzlich gibt es zwei mögliche Ursachen für Disharmonie. Die eine ist ein überaktives Dosha, die andere ein zu wenig Aktives. Es gilt nun entweder beruhigend oder aktivierend einzuwirken. Alle Anwendungen, Übungen und Ernährungsempfehlungen dienen der Ausgleichung der Doshas und so der Herstellung der Harmonie im Menschen.

Je nach Erscheinungsbild, Charakter und typischen Neigungen und Abneigungen wird festgestellt, welches Dosha vorherrschend ist und so den Konstitutionstyp bestimmt. Anhand von etwaigen Beschwerden wird der Zustand der Doshas festgestellt und dann gezielt darauf eingewirkt, etwa mittels Ernährung; körperlichen Übungen oder Massagen und Güssen.

Konstitutionstypen im Ayurveda

Je nach Tradition wird von sieben beziehungsweise zehn Typen ausgegangen. Die Konstitution definiert sich durch die Doshas und ihr Zusammenwirken. Es gibt drei reine Dosha-Typen, also Kapha, Pitta und Vata, diese sind jedoch selten. Bei ihnen wirkt das jeweilige Dosha sehr dominant. Die häufigsten Konstitutionen sind Mischtypen aus zwei Doshas. Hier sind vier verschiedene definiert. In manchen Traditionen finden auch die Mischtypen aus drei Doshas Beachtung. Diese Mischung ist noch seltener als reine Typen. Hier gibt es drei mögliche Kombinationen. Im Ayurveda gibt es keinen guten oder schlechten Kontitutions-Typ, da jeder Mensch seine eigene Harmonie darstellt.

Leben im Einklang

Für alle Doshas gibt es typische Anzeichen in der äußeren Erscheinung, dem Charakter und der Neigung zu typischen Beschwerden. Der Ayurveda-Anwender wird durch Betrachtung und Befragung des Patienten dessen Konstitutionstyp bestimmen, sowie den Zustand der jeweiligen Doshas, also ob sie überaktiv oder zu wenig aktiv sind, feststellen. Anhand des Typs sowie der Arbeitsweise der jeweiligen Doshas werden die Anwendungen verordnet und Ratschläge zur Ernährung und Lebensweise gegeben.

Jedes Dosha, so wird im Ayurveda angenommen, führt zur Vollkommenheit. Da jeder Mensch das Potential zur Vollkommenheit trägt, ist folglich der Weg dorthin ein sehr individueller. Alle Möglichkeiten sind verschieden, doch nicht im qualitativen Sinne. Daher sind ayurvedische Anwendungen sehr individuell auf den Menschen zu geschnitten und etwa eine Kräutertee-Mischung, die für einen Typ heilsam ist, kann für einen anderen wirkungslos sein, oder etwaige Beschwerden noch verstärken.

Es gibt Methoden, die ein Dosha aktivieren, oder dämpfen. Auf diese Weise wird Harmonie hergestellt und so klingen Beschwerden ab. Die Konstitutionstypen ermöglichen nicht nur die Symptome an sich zu relativieren, sondern auch die Ursache dahinter zu behandeln. Als Beispiel mag folgende Überlegung dienen: Wenn Sie Kopfschmerzen haben, nehmen Sie eine Tablette, die Kopfschmerzen werden gestillt. Jedoch spielt es hier keine Rolle, ob Ihre Kopfschmerzen durch Migräne, chronische Verspannungen der kleinen Nackenmuskeln oder auf Grund anderer Ursachen auftreten. Der Konstitutions-Typ im Ayurveda richtet sich genau nach der Überlegung, woher Beschwerden kommen und, trachtet diese Disharmonie zu beheben. Auf diese Weise verschwinden nicht nur die Kopfschmerzen, sondern auch andere Beschwerden, die durch die gleiche Ursache mit ausgelöst werden. So kann die Ayurvedische Methode mit Fug und Recht als ganzheitlich bezeichnet werden. Der unterstützende und heilsame Effekt tritt auch bei Wellness-Anwendungen im ayurvedischen Sinne auf. Etwa eine Anpassung der Lebensgewohnheiten an den Konstitutionstyp kann präventive Auswirkungen haben. Harmonie der Kräfte im Menschen stellt Gesundheit her und hilft, sie zu erhalten.

Ernährungsprinzipien im Ayurveda

Die Ernährung ist im Ayurveda eine wichtige Methode, um auf die Doshas Einfluss zu nehmen. Wenn bestimmte Speisen zu bestimmten Zeiten gegessen werden, werden Doshas entweder beruhigt oder gestärkt. Außerdem haben die im Menschen wirkenden Kräfte Einfluss auf die Frage, welche Speisen verträglich sind und welche nicht. Jedoch geht es hier nicht nur um die Verträglichkeit, sondern auch um die Verwertbarkeit. Agni, das Lebensfeuer im Menschen, erhält seine Energie zu einem Teil von der Verdauung. Da die Helligkeit und Energie von Agni von den Doshas abhängt, nimmt folglich die richtige Ernährung direkten Einfluss auf die Energie, die dem Menschen zu Verfügung steht. Im Ayurveda wird angenommen, das Agni zuständig ist für Lebensfreude, Antrieb, Wille und Kraft. Auch hängen von Agni die Selbstheilungskräfte, sowie die Fähigkeit zur Regeneration ab.

Beim gesunden Menschen brennt Agni hell und klar. So ist der Körper bei optimaler Temperatur, was wiederum dafür sorgt, dass die Regeneration sowie die Lebensvorgänge in optimalem Tempo ablaufen. Es ist der Bezug zum Lebensfeuer, was Temperaturen im Ayurveda so wichtig machen.

Speisen in richtiger Zusammenstellung und Temperatur

Für Manchen mag es seltsam erscheinen, dass in der ayurvedischen Ernährung nicht nur Nahrungsmittel sondern auch der Garzustand und die Temperatur, bei der die Mahlzeit gegessen werden sollte, von Bedeutung ist. Da Agni je nach Dosha-Typ zu verschiedenen Tageszeiten verschieden stark brennt, sind auch die Tageszeiten, zu denen gegessen werden sollte, vorgegeben. So können etwa Speisen, die für ein überaktives Dosha nicht empfohlen sind, zu Zeiten, da dieses Dosha dem Lebensfeuer nicht viel Energie zuführt durchaus gegessen werden. Es ist bekannt, dass bestimmte Speisen zu bestimmten Tageszeiten besser als zu anderen vertragen werden. Auch haben viele, je nach Jahreszeit, auf andere Nahrungsmittel Appetit. Die Ayurvedische Erklärung hierfür ist das Dosha-Prinzip, im besonderen die Frage, wann welches Dosha Agni „schürt“. So betrachtet, klingen die Ernährungsempfehlungen gar nicht mehr so seltsam.

Auch Fastenkuren werden im Ayurveda nach den Doshas abgestimmt. So werden Tees und Übungen verordnet, die beim Fasten die Doshas ausgleichen. Auch werden bestimmte Fastenspeisen empfohlen, die nach und nach ein überaktives Dosha dauerhaft beruhigen sollen. Natürlich gilt auch hier der Rat, in allen Dingen Maß zu halten. Die ayurvedische Ernährung rät darüber hinaus sehr konkret und individuell, womit Maß gehalten werden sollte und was genossen werden darf. So findet jeder die für sich optimale Ernährung, was auf Dauer zu Gesundheit, Fitness und vielleicht sogar der Wunschfigur führen wird.

Behandlungen nach Ayurveda

Die traditionelle indische Medizin bietet verschiedenste Behandlungsmöglichkeiten. Diese sind in Europa mehr oder weniger bekannt. Viele dieser ursprünglich als Therapie gedachten Anwendungen finden als Wellness-Angebote Anwendung.

Bei den Anwendungen im Ayurveda geht es um einen umfassenden Effekt. Nicht nur die Massagegriffe sind genau festgelegt, sondern auch Art und Temperatur des Öls. Es ist über Jahrhunderte hinweg umfassend erforscht worden, wie welcher Effekt am direktesten und wohltuendsten für den Patienten erzielt werden kann.

Massage und mehr im Ayurveda

Hier nun ein kurzer Überblick über eine Auswahl von Ayurveda-Anwendungen, wie sie auch in Kurhotels in Europa anzutreffen sind:

Abyhanga: Diese Ganzkörpermassage wird von zwei Masseuren synchron ausgeführt. Zur Anwendung kommen dabei Kräuteröle, die zum Konstitutionstyp des Massierten passen. Durch die synchrone Massage entsteht ein Gefühl tiefer Entspannung. Sie dient der Aktivierung des ganzen Körpers und vor allem des Stoffwechsels.

Anima (auch: Basti): Diese Anwendung beschreibt Einläufe aus Kräutersuden, Ölen oder Zubereitungen aus Milch. Durch diese Einläufe wird der Verdauungstrakt und die Entgiftungsvorgänge im Körper angeregt. Da im Ayurveda die Verdauung als Initiator von Agni, dem Lebensfeuer, eine zentrale Rolle spielt, gehören regulierende Anwendungen ganz selbstverständlich zur Behandlung und sind weitaus weniger taburisiert, wie in Europa.

Kuti: Diese aus Holz und Lehm gebaute Sauna findet vor allem in Sri Lanka Anwendung. In den Boden werden Kräuter eingemischt, deren ätherische Öle beim Saunabetrieb verdampfen und dem Patienten wohltuende Dämpfe entgegen strömen. Hierdurch wird die Atmung unterstützt und der Ausstoß von Schleim gefördert. So wird die Sauerstoffversorgung optimiert.

Nasya: Bei dieser Anwendung finden Eingaben von Kräuterölen oder -suden in die Nase statt. Auf diese Weise werden die Stirnhöhlen gereinigt und die Atmungsorgane gereinigt.

Panchakarma: Eine ein bis zwei wöchige Diät aus fettarmen Speisen. Es werden zusätzlich Kräutertees getrunken, die die Selbstreinigungskräfte im Körper aktivieren. Zusätzlich findet hier oft Pichu Anwendung. Hier werden Packungen aus Kräutern und Pasten auf die Gelenke aufgebracht, um den Abtransport von Schlacken und Ablagerungen zu fördern.

Shirodara: Der etwa 20 Minuten dauernde Ölguss auf die Stirn dürfte eine der bekanntesten Anwendungen sein. In kontinuierlichem Strahl wird Öl, dass langsam erwärmt wird, über Stirn und Scheitel des Patienten gegossen. Dies soll die Durchblutung im Gehirn anregen und das Denken klären.

Blumenbad: Ein kühles Bad in Blütenblättern und Blumenessenzen bildet den Abschluss einer Kur im Ayurveda. Auf diese Weise werden Körper und Geist des Patienten sanft ins Hier und Jetzt zurück gebracht. Das Ziel des Bades ist, dass der nun gestärkte Körper sich durch den angenehmen Eindruck die optimale Funktion merkt und dauerhaft fortsetzt.

Eine regelrechte Kur sollte von einem Arzt betreut werden, der die siebenjährige Ausbildung zum Arzt für Ayurveda in Indien durchlaufen hat.

Ayurveda, fremd und exotisch?

So fremdartig und exotisch manche Anwendungen aus dem Ayurveda auch anmuten möchten, die philosophischen Hintergründe sind in vielen Bereichen denen der westlichen Medizin verblüffend ähnlich. So fällt etwa auf, dass die Doshas Pitta, Kapha und Vata in ihrer Definition auffällig den drei Temperamenten ähneln. Der Philosoph Plato formulierte zum ersten Mal die Temperamente und ging davon aus, dass sie mit den Körpersäften in Verbindung stehen müssten. Nur ein Gleichgewicht aller drei Temperamente, so Plato, könne die Gesundheit des Menschen garantieren. Bis heute haben die Temperamente in Diagnostik und Therapie an Bedeutung nicht verloren und nehmen in ihrer Wichtigkeit im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung der Medizin in den letzten Jahren wieder zu.

Alchemisten, Klosterfrauen und ayurvedische Ärzte

Die Pharmazie wie wir sie heute kennen, hat einen ihrer Ursprünge in der mittelalterlichen Kunst der Alchemie. Ebenso finden sich Ursprünge in der Klostermedizin, in der sorgfältig über Heilkräuter und deren Wirkstoffe geforscht und aufgezeichnet wurde. Auch im Ayurveda bilden pflanzliche Wirkstoffe eine wichtige Grundlage. Es gibt kurmäßige Anwendungen von Extrakten, Kräuterölen und Tees. Über lange Zeit forschten die ayurvedischen Ärzte über die Zusammenhänge zwischen den Doshas und den Pflanzen. Sie stellten Verbindungen zu den Elementen her, wie sie geradezu verblüffend ähnlich auch in klösterlichen und alchemistischen Schriften des europäischen Mittelalters bekannt sind.

Alchemistische Ärzte glaubten, dass alles durch das Zusammenwirken der Elemente entstehe. Die Elemente müssen in einem förderlichen, neutralisierenden und hemmenden Einfluss stehen, dass Gesundheit entstehen kann. Zu diesem Zweck behandelten sie ihre Patienten mit allerlei kuriosen Kuren, von denen jedoch die Anwendung von Kräuterpasten, -packungen und -arzneien ihre Wirksamkeit bis heute beweisen können. Ebenso ist die Behandlung mit Wasser, Wärme oder Kälte, wie sie etwa von Sebastian Kneipp beschrieben und angewandt wurde, in sehr ähnlicher Weise im Ayurveda bekannt.

Die Überlegung zugrunde legend, dass die Heiler auf der ganzen Welt mit den Dingen arbeiteten, die sie zur Hand hatten, erscheint die ayurvedische Medizin gar nicht mehr so exotisch. Die Ziele und Beobachtungen in der Wirkung auf den Körper sind sehr ähnlich. Manche Patienten finden die Anwendung von Zaubersprüchen und heilenden Mantras im Ayurveda befremdlich. In der Zeit, da diese Dinge entstanden, wurden in Europa Krankheiten besprochen und mit immer wieder belegtem Erfolg. Heute, nach der Inquisition, wird diese Technik „positives Denken“ oder auch „kreative Visualisation“ genannt.

Vermutlich ist es diese Ähnlichkeit auf den zweiten Blick, die Ayurveda zu einer beliebten, erfolgreichen und heilsamen alternativen medizinischen und gesundheitsfördernden Methode auf der ganzen Welt macht.

Pflege und Reha durch Ayurveda

In Krankheit, nach Verletzungen oder im Alter braucht der Mensch Rehabilitation und Pflege. Beiden Therapieansätzen ist gemeinsam, dass für den Patienten ein Höchstmaß an Lebensqualität erreicht werden soll. Im Ayurveda ist der selbe Gedanke bekannt, als Entfaltung des Höchstmaßes an Vollkommenheit. Wellness, um ein geflügeltes Wort für den Begriff Wohlbefinden zu verwenden, sollte also sowohl in der Rehabilitation als auch in der Pflege ein wichtiger Faktor sein. Im Ayurveda ist Wohlbefinden der Effekt, der direkt von der Harmonie in Körper und Geist ausgelöst wird. Dieser Begriff wird in der indischen Medizin fließend definiert, so gilt auch die Fähigkeit, etwa Beschwerden ins Leben zu integrieren als Herstellung der Harmonie. Da die ayurvedischen Techniken immer den ganzen Menschen behandeln, stellen hier im pflegerischen und rehabilitierenden Bereich auch Meditation und ähnliche mentale Techniken eine wichtige Größe.

Stärkung für den ganzen Menschen

Wenn ein Patient etwa nach Unfall oder Krebstherapie rehabilitiert wird, darf auch die seelische Belastung, Ängste und notwendige Verarbeitungsprozesse nicht außer Acht gelassen werden. So mögen Anwendungen, die keine oder kaum direkte körperliche Auswirkungen haben, für das seelische Wohlbefinden von immenser Wichtigkeit sein.

„Mens sana in corpore sano“, „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ kennt man im Westen durchaus. Die Konsequenz, dass ein gesunder Geist auch die Gesundheit des Körpers fördert, ist im Ayurveda eine ebenso selbstverständliche wie grundlegende Annahme. So ist der Arzt der indischen Heilkunst nicht nur Diagnostiker und Behandler, sondern auch Lebensberater, sozusagen „Personal Coach“, seiner Patienten. Er erarbeitet mit ihnen Wege, wie sie mit mentalen und emotionalen Herausforderungen umgehen können. Der ganze Mensch wird gestärkt und wiederhergestellt.

Folgerichtig geht es in einer Rehabilitation oder Pflege nach ayurvedischen Gesichtspunkten darum, dem Patienten ein Höchstmaß an Wohlbefinden zu schaffen, damit die Selbstheilungskräfte im Körper ihre Wirkung tun können. Dies wird erreicht durch individuelle Ernährung, wohltuende Massagen, entspannende Anwendungen von Wärme oder Kälte und Techniken zur Erlangung innerer Harmonie wie Meditation und Yoga. Ziel ist, den Körper zu ermuntern und ihm die Voraussetzungen zu schaffen, ein Höchstmaß an Gesundheit zu entwickeln. In den Bereichen Pflege und Rehabilitation gilt die gleiche Zielsetzung. Die sanften, alle Sinne ansprechenden Methoden von Ayurveda können hier den Erfolg für den Patienten optimieren und statten ihn darüber hinaus mit Ratschlägen und Methoden aus, dieses Zustand so lange wie möglich zu erhalten. Die Individualität der entwickelten Techniken und deren Anwendung stärken die Unabhängigkeit des Patienten und erhalten ihm, egal ob in Pflege oder Rehabilitation ein Höchstmaß an Selbstbewusstsein. Dies geschieht, da ein wichtiger Effekt im Ayurveda ist, dass der Behandelte sich seiner selbst und seiner Bedürfnisse bewusst wird und diese respektiert, folglich auch erfüllt werden. 

Schnelle Hilfe mit Ayurveda

Wer kennt das nicht? Zwischen zwei Terminen bleiben nur ein paar Minuten. Wenn dieser nächste Termin jedoch der dritte oder vierte an diesem Tage ist, wäre ein kleiner Energieschub oder ein Moment der Entspannung sicher hoch willkommen. Ayurveda bietet hier Möglichkeiten, die verblüffende Wirkungen mit einfachsten Mitteln erzielen.

Wohlgefühl durch Wohlgeruch

Die direkte Verbindung von Düften und Emotionen ist bekannt. Dass unsere Gefühle unsere Befindlichkeit direkt beeinflussen, da sie Spannung oder Entspannung hervorrufen, ist nicht nur im Ayurveda ein offenes Geheimnis.

Wenn Sie also zwischen zwei Meetings der mentalen Überforderung nahe sind, riechen Sie mit drei tiefen Atemzügen an einem Zitrusöl. Orangenduft wirkt entspannend und ausgleichend, Limonenduft euphorisiert leicht und Zitronenduft schafft einen freien Kopf und heitere Stimmung. Es gibt im Handel Duftöle verschiedener Qualität. Für diese Anwendung braucht es nicht unbedingt das ätherische Öl, da es nur um den Duft geht. Suchen Sie sich Ihren Lieblingsduft und haben Sie ein Fläschchen davon bei sich. So können Sie sich binnen Minuten fit schnuppern.

Wenn es abzusehen ist, dass ein Meeting lange dauert, können Sie auch ein Tröpfchen Öl auf jedes Handgelenk geben. Die Körperwärme sorgt dafür, dass der Duft Sie umgibt und unterstützt. Sicher werden Ihre Kollegen es nicht als unangenehm empfinden, wenn Sie einen frischen, klärenden, aufheiternden Duft verströmen.

Ein paar Handgriffe für neue Energie

Wenn Sie viel am Computer arbeiten oder  lesen müssen, kann ein einfacher Griff aus der Gesichtsmassage im Ayurveda für neue Energie sorgen.
Reiben Sie die Handflächen kräftig aneinander, bis sie warm werden. Schließen Sie die Augen und legen Sie die Handflächen darüber, so dass Ihre Finger auf  Ihrer Stirn liegen. Üben Sie bitte keinen Druck auf die Augen aus. Werden Ihre Handflächen kühler, erwärmen Sie sie erneut bei geschlossenen Augen und legen Sie sie wieder auf. Wiederholen Sie diesen Vorgang dreimal. Ihre Augen sind danach frisch und erholt und auch Ihr Geist ist danach erfrischt, wie nach einem Schläfchen.

Ayurveda erklärt diesen Effekt wie folgt. Der Antrieb und Motor für das Leben ist Prana, die Lebenskraft. Sowohl durch die Augen als auch durch die Hände findet Pranaaustausch statt. Wenn ausgebranntes Prana nicht durch Frisches ersetzt wird, ermüden wir. Durch das Reiben der Hände wird der Energiefluss angeregt. Frisches, heißes Prana wird erzeugt und nach außen abgegeben, daher die Hitze. Wenn Sie die Energie nun in die Augen fließen lassen, wird der Kopf sozusagen mit Prana durchspült. Die alte, Sie ermüdende Energie fließt ab und wird durch frische ersetzt. Es mag für manchen Menschen ein wenig seltsam klingen, doch das Ergebnis gibt der kleinen Übung recht.

Ayurveda auch für Kinder

Immer mehr Eltern suchen nach alternativen medizinischen Ansätzen für die Kinder. Die Diagnose AD(H)S wird immer verbreiteter, zugleich wird die Verabreichung von Medikamenten immer umstrittener. Das Gleiche gilt für viele andere Behandlungsansätze im Kindesalter.

In der westlichen Medizin kann verallgemeinernd und sicher auch etwas provokant gesagt werden, dass Behandlungen großteils am Symptom orientiert geplant und durchgeführt werden. Ayurveda setzt ganz anders an. Hier wird nach der Ursache geforscht und nach dieser behandelt. Dass auf diese Weise oft genug auch ein zusätzlicher vorbeugender Effekt erzielt wird, liegt auf der Hand.

Individualdiagnose und -therapie versus Allgemeinmedizin

Der westlichen Medizin liegen in erster Linie Symptomkataloge zugrunde, sowie Behandlungsansätze, die auf das Symptom ausgerichtet sind. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dass für den Patienten sehr schnell Linderung der Symptome erreicht werden kann. Über Zusammenhänge zwischen scheinbar zusammenhanglosen Krankheitsbildern beginnt die Medizin gerade erst zu forschen.

Im Ayurveda wird, vom Grund der Vorstellung beim Arzt unabhängig, erst einmal eine umfassende  Feststellung des Konstitutionstyps vorgenommen. Die Persönlichkeit, das Umfeld und der Charakter des  kleinen Patienten stehen im Vordergrund, da vereinfacht ausgedrückt angenommen wird, dass der Körper und seine Funktion eine Auswirkung des Wesens des Menschen ist. Um beim Beispiel AD(H)S zu bleiben, gibt es für den ayurvedischen Arzt mehrere mögliche Ursachen für dieses Symptom. Immer ist eines der Doshas, also der lebenserzeugenden Kräfte, im Ungleichgewicht. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts ist also Ziel und wird angestrebt durch Ernährung, körperliche Übungen, Meditation oder anregende beziehungsweise beruhigende sinnliche Eindrücke. Der gleiche Ansatz gilt für Übergewicht im Kindesalter, chronische Verdauungsstörungen oder etwaige Entwicklungsstörungen. So kann Ayurveda zusätzlich zur westlichen Medizin helfen, dauerhafte Erfolge in der Behandlung in sehr sanfter, ganzheitlicher Weise zu erzielen. Ein hyperaktives Kind wird ruhig nach Medikation, denn es kann nicht mehr anders. Unter ayurvedischer Massage kann es ebenfalls zur Ruhe kommen, jedoch weil es durch Kräuteröle, deren Düfte und gezielte Massagegriffe Ruhe in sich entdeckt.

Bei einer Diät wird ein übergewichtiges Kind abnehmen, mit mehr oder minder großem dauerhaftem Erfolg. Wird eine solche Kur nach den Grundsätzen von Ayurveda durchgeführt, lernt es nicht nur seine Ernährungsgewohnheiten zu ändern und auf den eigenen Körper anzupassen, sondern vielleicht auch Lebensweisen und Reaktionsmuster, die zum Übergewicht geführt haben. Durch Yogaübungen und Massagen wird ein neues, gesundes Körperbewusstsein geschult, welches dem Kind helfen wird, sich selber ganz anders zu sehen und bewusster mit sich umzugehen.

Die in erster Linie aus dem Wellness-Bereich bekannte indische Heilkunst, Ayurveda, könnte als entwicklungsfördernde und hilfreiche alternative Behandlungsmethode auch und besonders für Kinder betrachtet werden. Erste Ansätze von Ayurveda in der Kinderheilkunde sind bereits erkennbar. Immer mehr Angebote für Kinder werden entwickelt und es bleibt zu hoffen, dass dies ein neuer Trend werden wird.