Ayurveda, fremd und exotisch?

Für viele klingt Ayurveda fremd und exotisch, aber es ist der westlichen Medizin verblüffend ähnlich

So fremdartig und exotisch manche Anwendungen aus dem Ayurveda auch anmuten möchten, die philosophischen Hintergründe sind in vielen Bereichen denen der westlichen Medizin verblüffend ähnlich. So fällt etwa auf, dass die Doshas Pitta, Kapha und Vata in ihrer Definition auffällig den drei Temperamenten ähneln. Der Philosoph Plato formulierte zum ersten Mal die Temperamente und ging davon aus, dass sie mit den Körpersäften in Verbindung stehen müssten. Nur ein Gleichgewicht aller drei Temperamente, so Plato, könne die Gesundheit des Menschen garantieren. Bis heute haben die Temperamente in Diagnostik und Therapie an Bedeutung nicht verloren und nehmen in ihrer Wichtigkeit im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung der Medizin in den letzten Jahren wieder zu.

Alchemisten, Klosterfrauen und ayurvedische Ärzte

Die Pharmazie wie wir sie heute kennen, hat einen ihrer Ursprünge in der mittelalterlichen Kunst der Alchemie. Ebenso finden sich Ursprünge in der Klostermedizin, in der sorgfältig über Heilkräuter und deren Wirkstoffe geforscht und aufgezeichnet wurde. Auch im Ayurveda bilden pflanzliche Wirkstoffe eine wichtige Grundlage. Es gibt kurmäßige Anwendungen von Extrakten, Kräuterölen und Tees. Über lange Zeit forschten die ayurvedischen Ärzte über die Zusammenhänge zwischen den Doshas und den Pflanzen. Sie stellten Verbindungen zu den Elementen her, wie sie geradezu verblüffend ähnlich auch in klösterlichen und alchemistischen Schriften des europäischen Mittelalters bekannt sind.

Alchemistische Ärzte glaubten, dass alles durch das Zusammenwirken der Elemente entstehe. Die Elemente müssen in einem förderlichen, neutralisierenden und hemmenden Einfluss stehen, dass Gesundheit entstehen kann. Zu diesem Zweck behandelten sie ihre Patienten mit allerlei kuriosen Kuren, von denen jedoch die Anwendung von Kräuterpasten, -packungen und -arzneien ihre Wirksamkeit bis heute beweisen können. Ebenso ist die Behandlung mit Wasser, Wärme oder Kälte, wie sie etwa von Sebastian Kneipp beschrieben und angewandt wurde, in sehr ähnlicher Weise im Ayurveda bekannt.

Die Überlegung zugrunde legend, dass die Heiler auf der ganzen Welt mit den Dingen arbeiteten, die sie zur Hand hatten, erscheint die ayurvedische Medizin gar nicht mehr so exotisch. Die Ziele und Beobachtungen in der Wirkung auf den Körper sind sehr ähnlich. Manche Patienten finden die Anwendung von Zaubersprüchen und heilenden Mantras im Ayurveda befremdlich. In der Zeit, da diese Dinge entstanden, wurden in Europa Krankheiten besprochen und mit immer wieder belegtem Erfolg. Heute, nach der Inquisition, wird diese Technik „positives Denken“ oder auch „kreative Visualisation“ genannt.

Vermutlich ist es diese Ähnlichkeit auf den zweiten Blick, die Ayurveda zu einer beliebten, erfolgreichen und heilsamen alternativen medizinischen und gesundheitsfördernden Methode auf der ganzen Welt macht.