Legenden und Wissenschaft zu Ayurveda

Im Sinne des Ayurveda ist der Arzt nicht nur Behandler, sondern Berater des Lebens

Die „Weisheit vom Leben“, so die Übersetzung des Sanskrit-Wortes wurde, Legenden zu folge von den Schöpfergottheiten selbst den Menschen übergeben. Über den Ablauf gibt es viele regionale Legenden. Eine besagt, dass die Schöpfergötter die Menschen segneten mit der Fähigkeit zur Entwicklung. Diese Fähigkeit eröffnete auch die Möglichkeit, zu erkranken, also Fehl-Entwicklung zu erleben. Doch da in den Menschen auch das Streben nach Vollkommenheit angelegt war, schien die Idee der Krankheit, die Leid verursacht und nicht heilt, ausgeschlossen. Die Dämonen, welche die Schöpfung zu zerstören gedachten, nachdem sie von der Erde vertrieben waren, täuschten die Menschen und vernebelten ihr Wissen, um die Fähigkeit zur  Wiederherstellung der Vollkommenheit, sollte diese gestört sein. Als das Klagen der ersten Kranken an die Ohren der Götter drang, waren diese sehr bestürzt. So schufen sie ein Wesen, welches sie mit dem Wissen um das Leben, dessen Aufbau und Struktur, sowie  um die Wahrung und Wiederherstellung der Harmonie der Lebenskräfte ausstatteten. Dhanvantari, so der Name des Wesens, war der Begründer von Ayurveda und lehrte die Menschen diese Kunst. Als er in den Himmel zurück kehrte, beauftragte er seine Schüler, zu heilen, zu forschen und zu trösten.

In dieser mythischen Geschichte steckt eines der Grundprinzipien der indischen Philosophie und von Ayurveda: Alles, was ist trägt die Möglichkeit der Vollkommenheit in sich. Alles Streben und Erleben ist auf Erlangung der Vollkommenheit ausgerichtet. Entwicklung und Vollkommenheit sind nur möglich, wenn Einklang und Harmonie aller beteiligten Kräfte hergestellt werden. Im traditionellen ayurvedischen Verständnis ist der Arzt also nicht nur Diagnostiker und Behandler, sondern auch Berater in allen Lebenslagen, sowie Forscher über Gesundheit und Krankheit. Es mag verwundern, dass zur ayurvedischen Diagnose etwa auch das Erstellen eines Horoskopes gehört. Doch im Hinblick auf die Grundlage, nämlich Harmonie mit sich und dem Kosmos als Grundlage für die Gesundheit, ist es durchaus einleuchtend, dass der Therapeut auch die Beziehung zwischen Patienten und Gestirnen untersucht.

Ayurveda trachtet also danach, den Menschen zu verstehen und ihm zu helfen, er selbst zu sein, seine Vollkommenheit zu verwirklichen. Die wohltuenden Anwendungen sind Methoden, dieses Ziel zu erreichen.